Ironman 70.3 St. Pölten – Almut

20120520_StPoelten_ChrisZielErreichtJetzt ist es also geschafft und die erste MD ist überstanden. Zugegeben: Muffensausen hatte ich
schon ein wenig, auch wenn das Training vorher einigermaßen regelmäßig und die Zuversicht, dass ich wenigstens das Ziel sehe, doch ganz gut war. Aber wer weiß, was alles unterwegs passiert.
Also sind wir, mein Mann und ich, Freitag in Richtung St. Pölten aufgebrochen. Nach 7 Stunden Autofahrt brachten wir als erstes die Registrierung hinter uns, die sehr schnell ging. Die Wettkampfbesprechung wurde mit 20 min Verspätung durchgeführt und der Zieleinlauf dabei besonders hervorgehoben. Ich hatte zwar schon den Film online gesehen, aber doppelt hält besser.
Jetzt aber los in unsere Pension. Direkt zu Fuße von Stift Melk bezogen wir Quartier.
Abends dann noch schnell die Räder gecheckt und eine kleine Runde entlang der Donau gedreht. Es lief sehr gut, war aber auch noch ziemlich frisch. Mal sehen, wie es morgen früh ist. So als Temperaturerwartung für den Sonntag… Nun ja, sehr frisch war es da! 8-9°C. Die Vorstellung, bei diesen Temperaturen im nassen Tria-Einteiler auf dem Rad zu sitzen, lockt nicht wirklich! Auch wenn der neue Anzug schön ist und: Danke Tanja für das Überlassen! Also fällt die Entscheidung: Schwimmen mit Badeanzug unterm Neo und dann erst den trockenen Einteiler an. Und wie macht man es jetzt warm??? In den Wechselbeutel kommen noch Ärmlinge und eine dicke Zeitung. Das muss reichen. Hoffentlich.
Um 16 Uhr wollen wir zum Check-In, um danach den Abend noch ruhig angehen zu lassen. Nun, den Gedanken hatten viele. Lange Schlange am Einlass, insgesamt dauert es gut eine Stunde, bis wir endlich alles verteilt haben. Aber keine Zeit mehr, die Seen in Augenschein zu nehmen. Morgen früh muss reichen.
Die letzte Nacht davor. Habe ich überhaupt geschlafen? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich schon, aber viel war es jedenfalls nicht. Um 6 Uhr sind wir in der Wechselzone, Rad steht noch, alles in Ordnung, noch die Verpflegung befestigen. Es ist deutlich wärmer als gestern Morgen. Wäre auch mit nassen Einteiler gegangen, aber jetzt lässt es sich nicht mehr ändern. Mist: Sonnencreme vergessen!
Also geht mein Mann noch mal raus, um die Pumpe wegzubringen und die Creme zu holen. Ich
warte, es ist 6.30 Uhr, um 6.50 sollen wir am See sein, langsam wird es Zeit. 6.40 Uhr, er ist immer noch nicht da, na dann eben ohne Sonnencreme. Er hat ja noch Zeit bis zum Start um 8.10 Uhr. Plötzlich rennt er außen am Zaun entlang und gibt jemandem die Creme. Was ist da los? Ich creme mich schnell ein, jetzt wird es echt Zeit. Plötzlich taucht mein Mann neben mir auf. Sie wollten ihn nicht wieder rein lassen, weil die Wechselzone schon geschlossen war! Aber irgendwie hat er es doch noch geschafft! Zum Glück! Das hatte bei der Wettkampfbesprechung keiner gesagt, wann da geschlossen wird. Im Laufschritt zu ersten See, der zweite See wird also erst im Rennen in Augenschein genommen. Erste werde ich nicht sein, da sind schon welche vor mir, die den Weg kennen werden.
Pünktlich zum Profi-Start sind wir am See. Noch 15 min warten. Dann dürfen wir ins Wasser. Erst mal ist es kalt, wird im Neo aber schnell okay. Ich verziehe mich ganz nach hinten, erst mal raus aus jeglichem Getümmel. Dann geht es los! Ich bin völlig ruhig und finde erst mal ein paar Beine, an die ich mich dran hänge. Das Gefühl ist gut und wenn ich mal richtig bewusst durchziehe, kann ich gleich an ein paar anderen vorbeischwimmen. Der Weg zur ersten Boje geht schnell, auch die zweite ist schnell geschafft. Der Weg zur dritten wird länger, aber immer noch ein gutes Gefühl im Wasser.
Wenn ich denke, wie ich noch vor zwei Jahren beim kleinen Dorftriathlon noch beim Start
hyperventiliert habe, ist das ein Riesenfortschritt. Dann raus aus dem ersten See und ab zum zweiten. Mir erscheinen es deutlich mehr als 200 m, und die Rampe in den zweiten See geht ganz schön steil bergab. Geht aber alles gut und los geht’s in die zweite Runde. Immer noch läuft es gut, keine Probleme mit dem Kreislauf. Die Boje kommt in Sicht und zurück geht’s. Und schon ist das Schwimmen vorbei! Raus aus dem Wasser und ab zum Beutel. Das Wechselzelt für Damen? Ah, das ist zusammen mit den Herren. Für die Damen gibt es eine kleine Paravent-Ecke. Und wer sitzt da? Ein nackter Mann….. ☺
Nun ja, keine Zeit zum Gucken, Neo aus, Badeanzug aus, Einteiler an; Zeitung lasse ich weg, aber Ärmlinge nehme ich doch lieber noch mit. Radschuhe in die Hand und ab zum Rad. Plan war, möglichst einen 25er Schnitt zu schaffen. Und sich nicht komplett abzuschießen. In der Ebene geht das, aber auch mit Bergen? Die Autobahn ist okay, aber leider kein Rückenwind, sondern von der Seite. Also trampeln, trinken und trampeln. Ab von der Autobahn, bisher ein 28er Schnitt, also gut im Soll. Und schon wird es hügelig. Aber es läuft gut bergauf. Als der erste Buckel nach Krustetten geschafft ist, kommt Zuversicht auf. Der Schnitt ging auf 25 zurück, aber jetzt geht es ja erst mal runter. In einer 90° Kurve rennen vor mir Sanitäter über die Straße. Oh je, da ist wohl jemand geradeaus gefahren! Aber kurz hinter der Kurve steht ein Radler auf der Straße und sieht erst einmal
heil aus. Wenn nicht noch jemand im Feld liegt, ist es wohl gut gegangen. Es geht jetzt meist leicht bergab oder flach, irgendwann entlang der Donau, eine herrliche Strecke. Irgendwann sind wir soweit um die Kurve gefahren, dass es jetzt richtig Rückenwind gibt. Die Ärmlinge hätte ich auch weglassen können. Irgendwann ruft jemand von hinten meinen Namen: Forums-Rosi hat mich entdeckt und rauscht von hinten zügig an mir vorbei. Leider hat es mit einem Treffen nicht geklappt, aber wenigstens haben wir uns auf der Strecke gesehen. Viel Erfolg noch! Irgendwann kommt eine Linkskurve, das kann nur heißen, jetzt kommt der große Buckel….. Und er kommt, aber er ist gar nicht so schlimm. Es läuft einigermaßen rund, ich kann bergauf einige überholen. Ungefähr auf Mitte des Berges hat mein Mann mich eingeholt. Er hat jetzt also 55 min Vorsprung herausgefahren. Es war
genau die Stelle, wo er vorhergesagt hatte, dass er mich einholt. Noch ein paar Aufmunterungen hinterher geworfen, dann weiter bergauf. Der Berg ist irgendwann zu Ende, bergab überholen mich wie immer welche, da bin ich halt ein Schisser, aber lieber heil als schnell und im Graben. Oben schaue ich auf die Uhr. Immer noch ein 25er Schnitt und es geht nur noch abwärts. Jetzt kommt auch ordentlich Wind von der Seite und von vorne, aber die Zeitrechnung sagt, dass ich meine angepeilten 3 h 40 für das Rad gut schaffen werde. Ein klasse Gefühl! Und nein, die Beine tun noch nicht weh. Die Abfahrt nach St. Pölten ist halb so wild wie geschildert, aber Überholverbot-Schilder habe ich keine
gesehen. Auf den letzten 2 km noch einen Riegel verdrückt, das geht hier besser als beim Laufen.
Der Wechsel geht schnell, aber das km 1 Schild bleibt mit verborgen. Okay, Radhandschuhe
vergessen auszuziehen, also in die Hand nehmen. Es geht das erste Mal durch das Stadion. Schon mal die Zielrunde in Augenschein nehmen. Das ist in der Tat etwas vertrackt. Aber nach der Wettkampfbesprechung eigentlich klar. Und es geht raus auf die Strecke. Ein Österreicher hängt sich an mich ran, will mitlaufen. Welche Zeit ich anpeile? Keine Ahnung! Ich laufe mal, so gut es geht, es fühlt sich gut an, aber ich weiß nicht, wie lange das hält. Blick auf die Uhr 5:25 auf den km, das ist ziemlich zügig für mich. Es geht gut, bei km 8 bin ich meinem Begleiter dann doch zu langsam und er verabschiedet sich nach vorne. Leider verpasse ich die Verpflegungsstelle (war da wirklich eine????)
und der Weg bis zum Stadion wird lang ohne Wasser. Endlich kommt es in Sicht. Und gerade als ich am Stadion bin, klopft mir jemand auf den Hintern!!!!! Ah okay, DER Vorbeiziehende darf das. Das heißt mein Mann hat jetzt 55 min und noch 10 km Vorsprung…… Während er sich auf die letzte Zielrunde aufmacht, biege ich links ab auf die zweite Runde. Die ersten Überlegungen, wann ich was anderes als Wasser trinken soll, kommen auf. Vielleicht bei km 15? Oder schon früher? Noch stimmt die Zeit, immer noch 5:30 / km, aber es fällt schon etwas schwerer. Dann merke ich bei km 13/14, dass es langsamer wird, jetzt 5:45 – 6 min /km, aber okay, das wird schon. Bei km 15 will ich es mit Iso probieren, aber das Zeug schmeckt so ekelig, dass ich keinen Tropfen herunterbringe. Also ohne weiter. Und dann habe ich eine Dame vor mir, die immer wieder in Gehpausen verfällt. Die holst Du Dir! Aber immer, wenn ich denke, jetzt ist es soweit, läuft sie wieder los. Und wie schnell. Das macht sie so 5-6x mit mir. Irgendwann wird der Anblick des Gehens so verlockend! Bei mir gehen gerade so richtig die Lichter aus! Okay, vielleicht hätte ich doch mal ein Gel nehmen sollen unterwegs….. Anfängerfehler! Ich beginne mit dem Wandertag und nehme an der nächsten Verpflegung eine Cola mit. Zwischendurch überlege ich echt, ob ich mich nicht mal kurz setze, aber dann komme ich wahrscheinlich nie wieder hoch. Also weitergehen. Immer wieder feuern mich Mitläufer an. Danke!
Aber es geht gerade echt nicht mehr! Bei km 18 kommen dann die Lebensgeister wieder und es geht wieder trabend. Einige der Anfeuerer kann ich wieder einsammeln. Und die letzten 2 km bin ich wieder bei 5:30…. Jetzt ist das Auslassen der Gels wirklich ärgerlich! Warum habe ich bloß bis km 15 nichts als Wasser zu mir genommen? Noch einmal durchs Stadion kringeln. Mein Mann steht schon umgezogen im Stadion und feuert mich an. Noch eine Runde über die Bahn. Und das fühlt sich richtig gut an! Die Beine merke ich gar nicht mehr und der Zieleinlauf macht einfach nur Spaß! Aber muss man eigentlich wirklich eine Aufwärtsrampe dafür machen? Die netten Damen an der Ziellinie halten noch mal das Zielband hin. 6 h 18. Uiuiui! In meinen kühnsten Träumen hatte ich mit 6 h 30 gerechnet, 7 h erschienen mir realistisch. Aber das Eis im Ziel, das habe ich dann nicht mehr öffnen
können….. Nach einer kurzen Erholung und reichlich Wassermelone wurden gleich die Räder
abgeholt. Da war es dann noch mal etwas kritisch, weil man beim Check-out in der prallen Sonne stand. Entschuldigung noch mal an die Damen im Check-out Zelt, falls ich Euch mit meinem kleinen Kollaps dort einen Schrecken eingejagt haben sollte. Sieht immer schlimmer aus, als es ist ☺ Kaffee und Kuchen schmeckten danach noch nicht ganz wieder, aber die Schinken-Fleckerl auf der Pastaparty brachten dann wieder alle Energie zurück! Die Siegerehrung kam später, da viele den Zieleinlauf nicht korrekt absolviert hatten und händisch korrigiert wurden. Vom Treppchen war ich weit weg.
Die 7 h Heimfahrt anschließend vergingen zwar nicht wie im Flug, aber als wir um 2 Uhr nachts endlich daheim waren, konnte ich zufrieden und gut in meine Bettfedern sinken. Ob es mehr Stunden Schlaf waren als in der Nacht zuvor? Um 8 Uhr hatte mich die Arbeit wieder. Und Muskelkater? Nein, den gab es nicht! Also war ich wohl nicht schnell genug! Aber für eine Premiere doch ganz ordentlich, oder?

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